Thiès Senegal III

Nach ein paar stillen Tagen - es gab mal wieder eine Wallfahrt - wurde ich am 2. Weihnachtstag von einer christlichen Familie eingeladen gemeinsam mit Ihnen zu feiern. Bisher hat mich nicht viel an die Weihnachtszeit erinnert. Straßenhändler, die in roten Zipfelmützen und Sonnenbrillen versuchten mir Lametta in allen Farbnuancen und Luftballons zu verkaufen haben mich eher an Karneval erinnert. Ich war gespannt, wie die Senegalesen das Fest der Liebe feiern. Die Familie wohnt in einem christlichen Viertel, gebaut um eine einfach gehaltene Kirche. Mauern trennen die direkt aneinander liegenden Grundstücke, aber es gibt kaum Türen und wenn, dann sind sie stets geöffnet. Für die Nachbarn ist es üblich sich tagsüber auf den Weg zu machen und überall mal vorbeizuschauen. So durfte ich eine Menge Hände schütteln. Bekannter und auch fremder Besuch ist stets herzlichst willkommen. Hast Du Hunger? Hast Du Durst? Komm wir beten gemeinsam. Hier halt mal das Kind. Kannst Du tanzen? Und bevor Du antworten kannst, reißen sie Dich mit. Ale kennen sich. Eine große Familie. Das ist richtig schön. Ich habe kurz darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn ich nächstes Jahr einfach mal bei all meinen Nachbarn vorbeischauen würde, ob ich sie kenne oder nicht. Das wäre bestimmt mindestens genauso interessant. Aber wir Deutschen sind ja gerne für uns. Und schließen die Türen. Nachdem ich also alle Nachbarn mit Namen kannte und ich die bunt geschmückte Krippe bewundert durfte, wurde ich bei den Männern abgesetzt. Wenn es um das Essen geht ist es hier nicht ungewöhnlich, wenn sich die Geschlechter trennen. Die Männer trinken im Schatten ein Bierchen und hören Musik, die Frauen kochen. Da mir die aus Respekt zugeteilte "Extrawurst" nicht so fair vorkam, hab ich die ältesten Frauen gebeten, ob Sie mir eine Aufgabe geben könnten. Ich möchte mithelfen. Gar kein Problem, aber was kannst Du? Zwiebeln schneiden? Kartoffeln? Eingeweide ausnehmen? Kartoffelnschneiden kam mir da ganz sympathisch daher. Als ich anfing stand für 3 Minuten erstmal alles still. Macht sie das richtig? Schneidet sie sich in die Finger? Eine Weiße, die Kartoffeln schneiden kann. Das sieht man hier scheinbar nicht alle Tage. Eine riesige Platte, Reis, Pommes, Gemüse, Huhn. Es wird mit den Fingern gegessen. Nur ich bekomme einen riesigen Gemüseteller für mich allein. Wie nett, aber auch irgendwie unangenehm. Aber super lecker. Ich verliere die Kontrolle über eine Karotte, mein weißes Shirt ist nicht mehr festlich. Jemand steht auf, deutet an, zieh das aus, wäscht es für mich und hängt es auf. 20 Minuten später - wie neu :) Es wird ein kleiner Rest des Essens beiseite gelegt. Dieser wird vor dem Haus verteilt, mit Wein begossen und durch ein Gebet den Verstorbenen angeboten. Wie nett, für alle ist gesorgt. Sogar für die Verstorbenen und für die streunenden Katzen. Immer wieder tanzt Jemand, es kommen neue Besucher, jeder will, dass ich mich in den Schatten setze. Afrikanische Sonne - nicht gut für meine Haut. Und so geht der erste Weihnachtstag in den Abend über, die Kinder werden alle nacheinander gebadet, in großen Plastikschüsseln. Das hat mich an unsere Familienurlaube früher erinnert. A propos Familie...ich verabschiede mich, schließlich hatte ich versprochen per Skype noch in Deutschland hallo zu sagen.