Thiès Senegal II

Wenn man keine Ahnung hat was einen erwartet, erwartet man ja eigentlich alles und auch irgendwie nichts, oder?

So war das mit mir und Afrika. Ich bin ziemlich gut darin, Entscheidungen zu treffen ohne viel Zeit ins Nachdenken zu investieren. Das passiert oft aus dem Bauch heraus. Genau da hab ich auch die Entscheidung getroffen einen Teil meines Winters im Senegal zu verbringen. Und ich möchte euch ein bisschen was darüber erzählen. Obwohl ich hoffe, dass ich im Fotografieren besser bin als im Schreiben. 

Staub und Sand. Schutt und Asche. Ziemlich viel Lärm. Moskitos, die mag ich gar nicht. Aber die mögen mich. Müll. Und davon ziemlich viel, ohne, dass jemand wüsste, was damit mal passieren sollte. Es sei denn, er wird einfach angezündet. Oft wartet man lang, manchmal auch vergebens. Trotz Absprache :) Uh, wie konnte ich den Verkehr vergessen. Aus zwei Spuren werden hier tagtäglich 5 gemacht, es wird doppelt und dreifach überholt. Busse für 10 Personen werden mit 20 beladen, dann hängen sich noch fünf junge Männer hinten an die offene Tür und der Rest setzt sich auf das Gepäck oben aufs Dach und ganz vorne mit dabei...zwei lebendige Ziegen, in einer Plastiktüte. Kinder, die für den Unterricht in der Koranschule auf der Straße betteln müssen  - ohne Schuhe bei 35°C, sie essen meist nur ein Stück Baguette am Tag oder etwas Reis. 

Das alles würde mich hier vielleicht nicht unbedingt halten :) Aber das ist zum Glück nur ein (kleiner) Teil dessen, was ich hier erleben darf. 

Die Menschen hier sind absolut faszinierend. Ein sehr stolzes, schönes und freundliches Volk. Und eine Menge Humor haben die hier. Nach nur ein, zwei Wörtern in deren Muttersprache oder einem Lächeln unsererseits ist das Eis direkt gebrochen. Zack, sitzt Du mit der Familie beim Mittagessen, bekommst fremde Kinder auf den Arm gedrückt, Dir werden kleine Zöpchen in die Haare geflochten und Du wirst an der Hand durch das komplette Dorf geführt. Egal, wie bescheiden die Familien hier auf den Dörfern wohnen, es wird stets gefegt, aufwendig gekocht, lange "palawert" und gelacht. Jeder Fremde scheint herzlichst willkommen.

Die Frauen sind tagtäglich sehr chic gekleidet, in Kleidern aus den schönsten und buntesten Stoffen. Geschmückt mit Make-up und Schmuck. Auf dem Rücken ein Neugeborenes, an der Hand ein Kleinkind und auf dem Kopf riesige Schalen mit allerhand Dingen. Scheinbar verstehen sich wildfremde Senegalesen auf Anhieb. "Wir sind alle eine große Familie." Das hören wir nicht selten. Egal, wo wir mit unseren Freunden hier vor Ort auftauchen, es ist sofort eine Vertrautheit da. Egal wo wir hinkommen oder herfahren, es wird stets freundlich gewunken und gelächelt. Überhaupt lächeln die hier den ganzen Tag. Und diese Lässigkeit. Die würde ich gerne in Tüten mit nach Hause nehmen. Kommste heut' nicht, kommste morgen. Oder gar nicht. Stirbt ja niemand von. Die Flora und Fauna ist absolut umwerfend, so weit das Auge reicht Weide und Sand und Bäume. Vor allem Baobabs. Die sind so toll, wie sie groß sind. 

Hatte ich schon erwähnt, dass es 35°C sind? :) Die Musik, die kraftvollen Tänze - es scheint ständig etwas zu feiern zu geben. Das Handwerk, die Kunst. Superfaszinierend. Und im Improvisieren bekommen die hier 10 von 10 Punkten. Wenn gleich nicht das Essen auf den Tisch kommen würde, dann könnte ich noch ewig so weiter machen.

Aber jetzt erst mal Fotos.